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Juli 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Die Verschärfung des chinesisch-amerikanischen Konflikts und die Folgen für die Börsenlandschaft

Die USA ergreifen Maßnahmen, um chinesische Unternehmen strenger zu regulieren

Die wichtigsten Punkte

  • Die USA fahren gegenüber China einen harten Kurs, der eine Einschränkung des Handels mit chinesischen Aktien an den amerikanischen Börsen nach sich ziehen könnte. 
  • Der Druck, chinesische Unternehmen den gleichen strengen Rechnungslegungsstandards zu unterwerfen wie andere in den USA gehandelte Aktiengesellschaften, wächst.
  • Staatliche und einzelstaatliche US-Pensionsfonds sehen sich zunehmend gezwungen, Investitionen aus China abzuziehen.


Im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, insbesondere dem Handelskonflikt und dem Umgang mit der Corona-Pandemie. Dabei rückt zunehmend auch eine seit längerem diskutierte Frage in den Vordergrund, nämlich ob chinesische Unternehmen für die Investoren und Finanzmärkte Risiken darstellen, indem sie sich den für US-Betriebe geltenden Audits und Regulierungsvorschriften entziehen. Die entsprechenden legislativen und regulatorischen Entwicklungen, darunter eine mögliche Beschränkung des Handels mit chinesischen Wertpapieren, könnten für die Anleger Folgen haben.
 

Werden chinesische Aktien von den US-Börsen verbannt?

Sowohl der Kongress als auch die Regulierungsbehörden der USA verstärken zurzeit ihre Bemühungen, um zu unterbinden, dass sich Unternehmen aus den Schwellenländern und insbesondere aus China an den US-Börsen Kapital beschaffen, ohne sich der gleichen Aufsicht zu unterwerfen wie Unternehmen aus den USA und anderen Industrieländern. Von den neuen gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften könnten schätzungsweise 224 an der US-Börse gelistete Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von etwa 1,8 Billionen US-Dollar betroffen sein.¹

Der Kongress erwägt ein Gesetz, das darauf abzielt, in den USA gelisteten chinesischen Unternehmen die Börsenzulassung zu entziehen, wenn sie eine regelmäßige öffentliche Prüfung und Beaufsichtigung ihrer Rechnungslegung verweigern. Auch die Nasdaq will neue Regeln einführen, nach denen sie befugt wäre, strengere Zulassungskriterien für Unternehmen aus «restriktiven Ländern» zu fordern, wenn Bedenken hinsichtlich des Abschlussprüfers, der Offenlegung und der Transparenz in bestimmten Schwellenländern bestehen und wenn sie eine umfangreichere Rechenschaftspflicht und einen besseren Zugriff auf Informationen für erforderlich hält. 

Die regulatorischen Bedenken sind nicht neu. Denn chinesische Unternehmen beschaffen sich durch die Notierung an den US-Börsen schon lange Kapital in Milliardenhöhe, entziehen sich jedoch zugleich einer strengen Rechnungsprüfung, der sich andere Aktiengesellschaften unterwerfen müssen. So verweist das für die Überwachung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zuständige Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) bereits seit Jahren auf «Probleme beim Zugriff auf chinesische Unternehmen», die es schwierig bis unmöglich machen, «uneingeschränkt und fristgerecht» auf die erforderlichen Dokumente zuzugreifen, um Kontrollen und Untersuchungen durchzuführen.

Zugleich hat der amerikanische Senat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der auf strengere Vorschriften abzielt, und auch das Repräsentantenhaus zieht ähnliche Maßnahmen in Erwägung. Laut einem Senatsentwurf zum Gesetz über die Rechenschaftspflicht ausländischer Unternehmen (Holding Foreign Companies Accountability Act) sollen Unternehmen verpflichtet werden, offenzulegen, ob sie «im Besitz oder unter der Kontrolle einer ausländischen Regierung» sind. Außerdem sollen bestimmte in den USA gelistete Unternehmen vom Wertpapierhandel an den amerikanischen Börsen ausgeschlossen werden, wenn die zuständige Prüfungsgesellschaft vom PCAOB nicht kontrolliert werden kann.

Auch wenn noch unklar ist, ob diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird, sind führende Mitglieder des US-Kongresses offenbar entschlossen, die Regulierung chinesischer Unternehmen zu verschärfen.

- Katie Deal, Analystin in Washington für US-Aktien

So soll sichergestellt werden, dass das PCAOB chinesische Prüfungsgesellschaften in der gleichen Weise untersuchen kann, wie es für inländische oder andere ausländische Prüfungsgesellschaften der Fall ist. Nach den neuen Vorschriften könnte das PCAOB mindestens alle drei Jahre eine Rechnungsprüfung vornehmen. Unternehmen, die dies nicht gewährleisten, droht der Ausschluss von den US-Börsen.

«Auch wenn noch unklar ist, ob diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird, sind führende Mitglieder des US-Kongresses offenbar entschlossen, die Regulierung chinesischer Unternehmen zu verschärfen», so Katie Deal, Analystin in Washington für US-Aktien. Ein Delisting wäre jedoch frühestens 2025 möglich, sodass die betroffenen Unternehmen Zeit hätten, die Börse zu wechseln oder für die Einhaltung der Vorschriften zu sorgen.

Einige chinesische Technologiekonzerne, die an der US-Börse gelistet sind, könnten jedoch problemlos an die Börse Hongkong wechseln. Die Portfolios von T. Rowe Price sind in China vor allem über American Depository Receipts (ADRs) investiert, die auch an der Börse Hongkong gelistet sind und sich mit sehr geringem Aufwand in entsprechende Positionen umwandeln lassen. Allerdings müssten mit bestimmten Kunden operative Verfahren eingerichtet werden, um den Handel außerhalb der USA zu ermöglichen. Darüber hinaus wäre es möglicherweise erforderlich, die Beziehungen zu den Verwahrstellen auf einer globalen Plattform aufzubauen.

Eric Veiel, Co-Head Global Equity, betont: «Die Risiken unserer Positionen, einschließlich der regulatorischen Risiken, werden bei T. Rowe Price kontinuierlich überwacht. Prognosen in Bezug auf aufsichtsrechtliche Entwicklungen sind immer besonders schwierig, weshalb eine entsprechende Risikobewertung kurzfristig erhebliche Kursschwankungen auslösen könnte. Unser Team von Analysten und Portfoliomanagern stützt sich bei der Beurteilung auf enge Branchenkontakte sowie eigene Erfahrungen und Analysen. Wir behalten die Situation und ihre Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen weiterhin genau im Auge.»
 

Beschränkung von Investitionen in chinesische Wertpapiere

Eine strengere Regulierung chinesischer Unternehmen könnte sich auch auf die Altersvorsorge von Bundes- und Staatsangestellten auswirken. Das U.S. Federal Retirement Thrift Investment Board (FRTIB), das US-Pensionsfonds für die US-Regierung verwaltet, hat zuletzt Pläne auf Eis gelegt, die vorsahen, Kapital des Thrift Savings Plan I&;-Fonds in Höhe von 593,7 Milliarden US-Dollar aus dem MSCI EAFE-Index der Industrieländer in den MSCI ACWI ex USA Investable Market Index, der Wertpapiere aus China und anderen Schwellenländer beinhaltet, umzuschichten.

Die Behörde verwies auf die möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Schwellenländer, «weil diese unter Druck geraten und wir nicht sicher sind, in welcher Verfassung sie in zwei oder drei Jahren sein werden», so FRTIB-Leiter Michael D. Kennedy. Dabei stand das Board unter erheblichem Druck der Trump-Regierung, das Investitionsvorhaben zu revidieren. Am 4. Mai nominierte der US-Präsident drei Kandidaten für das fünfköpfige Leitungsgremium, die nach der Bestätigung durch den Senat eine neue Mehrheit bilden könnten. Das Board hatte zudem ein Schreiben von Regierungsmitgliedern erhalten, in auf «die nationale Sicherheit und humanitäre Belange für die Vereinigten Staaten» verwiesen wurde.

Auch staatliche Pensionspläne könnten einem ähnlichen Druck ausgesetzt werden. So wurde der Gouverneur Floridas, Ron DeSantis, von Senator Marco Rubio und dem Kongressabgeordneten Michael Waltz schriftlich aufgefordert, Kapital der staatlichen Rentenfonds aus chinesischen Unternehmen abzuziehen, woraufhin DeSantis bekanntgab, dass er möglicherweise 2021 auf entsprechende Maßnahmen drängen wird.

«Die Maßnahmen der US-Regierung sind zwar ein symbolischer Schritt, der keine erheblichen direkten Auswirkungen auf China erwarten lässt», glaubt Chris Kushlis, Fixed Income Sovereign Analyst, Asian Markets. «Allerdings dürfte der Druck wachsen, wenn auch andere öffentliche Pensionskassen auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene in den USA gezwungen wären, chinesische Wertpapiere auszuschließen. Es ist wichtig, diese Entwicklung genau zu beobachten.»

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Aadish Kumar International Economist

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