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August 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen steigender Einkommensunterschiede

Das zunehmende Einkommensgefälle beeinflusst das Konsumverhalten weltweit

Die wichtigsten Punkte

  • Das zunehmende Einkommensgefälle ist eines der drängendsten sozioökonomischen Probleme unserer Zeit, und es hat weltweit weitreichende Folgen.
  • Es hemmt nicht nur das Wachstum, sondern fördert auch populistische Kräfte und soziale Verwerfungen.
  • Die Politik muss daher für einen breiteren Zugang zu erschwinglichen Gütern und Dienstleistungen sorgen, was in bestimmten Branchen neue Anlagegelegenheiten schaffen dürfte.


Das zunehmenden Einkommensgefälle ist eines der drängendsten sozioökonomischen Probleme unserer Zeit. Auch wenn der Grad der Ungleichheit weltweit stark variiert, weist der Gini-Koeffizient, der die Einkommensverteilung und -ungleichheit misst, darauf hin, dass die meisten Menschen in Ländern leben, in denen die Einkommensunterschiede zunehmen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, hätte dies weitreichende Folgen, unter anderem eine höhere Verschuldung, steilere Renditekurven, eine anziehende Inflation, steigende Unternehmenssteuern und schärfere Handelsbeschränkungen. An den Finanzmärkten dürften sich in verschiedenen Sektoren neue Investmentchancen eröffnen, da sich das Konsumverhalten verändert und der Bedarf an erschwinglichen Gütern und Dienstleistungen steigt.

Die zunehmende Einkommenskluft hat verschiedene Ursachen, darunter die nachlassenden Umverteilungseffekte über Steuern und Transferleistungen, was auf schärfere Regeln für die Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen und niedrigere Steuersätze für die reichsten ein Prozent der Bevölkerung zurückzuführen ist. Eine weitere Ursache liegt in der zunehmenden Konsolidierung verschiedener Branchen, die zur Folge hat, dass sich die Wirtschaftskraft auf immer weniger Unternehmen verteilt.

Auch die Arbeitsmärkte haben sich grundlegend verändert, unter anderem durch die voranschreitende Automatisierung einfacher Arbeiten und den Trend hin zu Teilzeitmodellen und befristeten Arbeitsverhältnissen. In den Industrieländern wird das Gefälle zudem durch die zunehmende Auslagerung der Produktion in Niedriglohnländer verstärkt.
 

Größere Einkommensunterschiede fördern populistische Bestrebungen

Die zunehmenden Einkommensunterschiede haben auch wesentliche Folgen für die Anleger, da sie das Wachstum hemmen. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eines Landes binnen fünf Jahren um 0,08 Prozentpunkte sinkt, wenn das Vermögen der Oberschicht um 1 Prozentpunkt zunimmt. Hingegen kann das BIP-Wachstum bei einem steigenden Einkommen der Unter- und Mittelschicht um bis zu 0,38 Prozentpunkte zulegen. Ein größeres Einkommensgefälle bedeutet außerdem eine stärkere Chancenungleichheit, da Menschen mit geringerem Einkommen weniger Möglichkeiten haben, in ihre Gesundheit und Bildung zu investieren.

Auch die Arbeitsmärkte haben sich grundlegend verändert, unter anderem durch die voranschreitende Automatisierung einfacher Arbeiten und den Trend hin zu Teilzeitmodellen und befristeten Arbeitsverhältnissen.

Wenn sich die Einkommenskluft vergrößert, verschärft sich der Kampf um die staatlichen Mittel. Unter diesem Druck vertiefen sich soziale Spaltungen, während populistische Kräfte an Zustimmung gewinnen. In den Industrieländern fordern immer mehr Menschen die Abschottung der eigenen Wirtschaft, da sie – teilweise berechtigt – glauben, dass ihnen die Globalisierung nicht zugutekommt. Zugleich gerät die Unabhängigkeit der Zentralbanken in Gefahr, da viele von einem investitionsfreundlichen Umfeld, das diese zu schaffen versuchen, nicht profitieren.

Ein unruhiges politisches Umfeld führt in der Regel zu einem Anstieg der öffentlichen Ausgaben, da sowohl Rechts- als auch Linkspopulisten mehr Gleichheit und soziale Mobilität fordern. Dies hat weitreichende Folgen, unter anderem eine steigende Verschuldung, steilere Renditekurven und eine expansivere Geldpolitik – wodurch die Inflationserwartungen zunehmen. Die zunehmenden Einkommensunterschiede und die wachsende Ablehnung in der Bevölkerung gegenüber der Globalisierung haben einige Regierungen dazu veranlasst, eine protektionistischere Handelspolitik zu betreiben. Dies hat bereits zu zahlreichen Spannungen geführt und könnte auch zur Folge haben, dass multinationale Unternehmen künftig strenger reguliert und besteuert werden.
 

Ein verändertes Konsumverhalten schafft in bestimmten Sektoren interessante Anlagechancen

Die zunehmenden Einkommensunterschiede dürften sich beispielsweise negativ auf den Luxusgütersektor auswirken, während andere Branchen davon profitieren könnten. Wenn sich die soziale Mobilität und die Beschäftigungschancen verschlechtern, dürfte etwa der Bedarf an bezahlbaren Freizeitaktivitäten steigen, was neue Angebote in der Tourismus- und Freizeitbranche hervorbringen wird. Zunehmend problematisch werden außerdem die steigenden Wohnkosten in den wachsenden städtischen Gebieten. Daher dürften entsprechende Lösungen auf eine große Nachfrage stoßen.

Der Gini-Koeffizient

Messung der nationalen Einkommensgefälle

Messung der nationalen Einkommensgefälle

Stand: 31. Dezember 2019.

Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Daten  zu den Einkommensunterschieden.
Der Gini-Koeffizient misst die Einkommensungleichheit, indem er die gesamte Einkommensverteilung in den einzelnen Ländern einer Zahl zwischen 0 und 1 zuordnet: Dabei gilt: Je höher der Wert, desto stärker der Grad der Einkommensungleichheit. Die verwendeten Daten&beziehen sich auf 2019 oder den zuletzt verfügbaren Stand. Die höchste Netto-Gini-Punktzahl weist insgesamt Südafrika auf, während von den Industrieländern die USA die höchste Punktzahl erreicht.

Da Bildung für die meisten Menschen der Schlüssel für ein höheres Einkommen ist, dürfte zudem ein riesiger Markt für hochwertige, bezahlbare Bildung entstehen. Ein Anbieter in diesem Bereich ist beispielsweise Curro, ein Betreiber von Privatschulen in Südafrika. In ähnlicher Weise dürften zudem innovative Gesundheitsdienstleister Auftrieb erhalten.

Ferner nimmt in den Schwellenländern die Nutzung von Finanzdiensten stark zu. Davon profitieren beispielsweise Unternehmen, die mit innovativen Technologien einkommensschwache Kunden bei der Verwaltung ihrer Finanzen unterstützen, darunter etwa die Tinkoff Bank in Russland und der E-Payment-Dienstleister M‑Pesa in Kenia, die beide Vorreiter in diesem Bereich sind.
 

Wie wir das wachsende Einkommensgefälle bei unseren Investitionen berücksichtigen

Bei T. Rowe Price arbeiten die für Staatsanleihen zuständigen Investmentteams in jeder Phase des Anlageverfahrens Hand in Hand mit den auf die ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) spezialisierten Experten. Wir haben hierfür ein eigenes Indikatormodell für verantwortliches Investieren entwickelt, mit dessen Hilfe wir jene ESG-Faktoren festlegen, analysieren und integrieren, die die langfristige Performance von Staatsanleihen wesentlich beeinflussen könnten. Bei der Betrachtung der sozialen Nachhaltigkeitskriterien spielt die Entwicklung der Einkommensunterschiede eine wesentliche Rolle, weshalb sie für unsere Anlageentscheidungen im Bereich Staatsanleihen eine wesentliche Rolle spielt.
 

Worauf es jetzt ankommt

Mit einem steigenden Einkommensgefälle wird ein breiterer Zugang zu erschwinglichen Produkten und Dienstleistungen erforderlich, worauf die Politik mit entsprechenden Maßnahmen reagieren muss. Diese werden wiederum Veränderungen in den Unternehmen zur Folge haben, wodurch sich in bestimmten Sektoren neue Anlagechancen ergeben. Wir werden die Entwicklung der Einkommensunterschiede auf globaler Ebene weiter genau verfolgen und in unsere Analysen einbeziehen.

 

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