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Februar 2021 / VIDEO

Wie kann China eine wichtige Wachstumswirtschaft bleiben?

Steigende Schulden und Handelskriege gehören zu den schwierigsten Herausforderungen.

Es ist kein Geheimnis, dass China einer Reihe von Problemen gegenübersteht. Dazu zählen insbesondere die Abschwächung des Wachstums, eine hohe Verschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung, eine alternde Bevölkerung und Covid-19.

Seit dem Ausbruch der Pandemie vor über einem Jahr hat sich jedoch viel verändert. Mit einer Wachstumsrate von 2,3% p. a. war China im Jahr 2020 die einzige große Volkswirtschaft, die ein positives Wachstum verzeichnete.1 Laut offiziellen Zahlen der chinesischen Statistikbehörde ist das chinesische Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2020 um 6,5% gewachsen.

Mit Blick auf chinesische Aktien sind allerdings Kennziffern wie das Haushaltseinkommen und das Vermögen der privaten Haushalte wichtiger als das BIP-Wachstum. Das ist eine gute Nachricht für Aktienanleger, denn der Aufstieg von immer mehr Chinesen in die Mittelschicht geht weiter. Laut einem Bericht von Herald van der Linde, Head of Equity Strategy (Asia-Pacific) bei HSBC, leben schon heute 47 Millionen Chinesen in Haushalten mit einem Jahreseinkommen von über 50.000 USD.2

Wenli Zheng, Regional Portfolio Manager bei T. Rowe Price, geht davon aus, dass sich diese Zahl in den nächsten 20 Jahren mehr als vervierfachen wird. Für Aktienanleger ist der Konsum in China daher „eines der weltweit spannendsten Themen“.

„China wird auch im nächsten Jahrzehnt beim Wachstum in der ersten Liga mitspielen, und wenn Peking seine Kapitalmärkte öffnet, werden sich viele Anleger stärker engagieren wollen“, glaubt Edward Moya, Senior Market Analyst beim Online-Devisenhändler Oanda. Die Anleger, so Moya, werden die langfristige Transformation des Landes zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft in den Blick nehmen.

Doch Chinas Wachstum hat an Fahrt verloren. Grund dafür war der bewusste Umstieg von einem Wirtschaftsmodell, das auf den Ausbau der Industrie und den Export von Billigprodukten setzte, zu einem, in dem der inländische Konsum die Rolle des Wachstumsmotors übernimmt. Nach den schwindelerregenden zweistelligen Steigerungsraten vor der Pandemie sank das BIP-Wachstum 2019 auf einen verträglicheren Wert von 6,1%.

Chris Kushlis, Emerging Markets Sovereign Analyst bei T. Rowe Price, sagt: „Peking begann ab 2006 mit seinen Bemühungen, die chinesische Wirtschaft umzubauen. Angestrebt wurde ein Wechsel von einem vornehmlich exportgestützten zu einem stärker auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Modell. Die chinesische Regierung will auf diese Weise ein nachhaltigeres langfristiges Wachstum erreichen. Solange die Transformation andauert, dürfte die Wachstumsrate weiter sinken.“

Wachsende Mittelschicht

Heute wird das Wachstum in China in erster Linie von der stetigen Expansion der wohlhabenden Mittelschicht getragen. Besonders vorteilhaft ist dies für den Bildungsbereich und für konsumorientierte Branchen wie Tourismus, Versicherungen und Automobile.

Auch der E-Commerce boomt. China ist beim Online-Einzelhandel nach wie vor die weltweite Nummer eins, und bis 2024 wird ein Umsatzanstieg auf mehr als 1,4 Billionen USD erwartet.3 Im vergangenen Jahr entfielen 24,9 % der gesamten Einzelhandelsumsätze auf Online-Verkäufe – 2019 waren es 20,7%.4

Antworten auf Probleme der alternden Bevölkerung findet unterdessen Chinas Pharmabranche. Mit über 4.000 Pharmaunternehmen ist China der zweitgrößte Arzeimittelmarkt der Welt mit einem gewaltigen Wachstumspotenzial, auch dank staatlicher Fördermaßnahmen.5

Mit dem Umbau der Wirtschaft ging eine Abkehr von den Staatsbetrieben einher. Mittlerweile trägt der private Sektor mehr als 60% zum Bruttoinlandsprodukt bei.6 Dadurch rücken auch die Themen Unternehmensführung, Transparenz und Qualität des Managements stärker in den Blickpunkt.

Auf dem aufsteigenden Ast

Zur gleichen Zeit öffnet China seine Börsen für ausländische Anleger. So wurden chinesische „A-Aktien“ im Juni 2019 in die FTSE-Russell-Indizes für internationale Aktien aufgenommen. Auch das „Bond Connect“-Programm von 2017 und das 2014 gestartete Shanghai-Hong Kong-Stock-Connect-Programm sorgen für mehr ausländische Direktinvestitionen in einem Land, das für internationale Anleger in der Vergangenheit nur schwer zugänglich war.

Nach Angaben der Welthandels- und Entwicklungskonferenz war China im vergangenen Jahr das weltweit wichtigste Zielland für ausländische Direktinvestitionen – die Mittelzuflüsse stiegen um 4% auf 163 Mrd. USD. In krassem Gegensatz dazu brachen die ausländischen Direktinvestitionenen 2020 weltweit um insgesamt 42% ein.

Das Kaufinteresse an chinesischen Aktien und Anleihen dürfte in naher Zukunft kaum nachlassen. Nach Angaben der People's Bank of China (PBoC) hielten ausländische Anleger im Juni 2020 chinesische Aktien im Rekordwert von 2,46 Billionen RMB – 50% mehr als ein Jahr zuvor. Bei Anleihen stieg die Summe im gleichen Zeitraum um 27% auf ein Allzeithoch von 2,57 Billionen RMB.

Doch das ist noch nicht alles. Nachdem Chinas Wirtschaftsleistung bereits das Niveau von vor der Pandemie erreicht hat, richtet die Führung in Peking ihre Aufmerksamkeit nun wieder stärker auf den Abbau der wachsenden Schuldenlast des Landes. „Die Behörden haben kürzlich Schritte unternommen, um den rasanten Anstieg der Verschuldung zu stoppen. Es gibt noch mehr zu tun, aber Fortschritte sind immerhin erzielt worden“, merkt Kushlis an.

In den letzten Monaten hat die chinesische Zentralbank überdies eine konservativere Haltung eingenommen – von Mindestreserven und Zinssenkungen ist nun weniger die Rede. Dies zeugt davon, dass das Land auf dem Weg zurück in die Normalität ist. In der Tat hat die PBoC viele Waffen in ihrem Arsenal, mit denen sie die chinesische Wirtschaft im Jahr 2021 und darüber hinaus steuern und ihre Stabilität sicherstellen kann.

 

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